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Vergleich zwischen der Heller Myotomie und Dilatation

Die Dilatation: Immer noch eine gute Option?

G. Lenka Scheerer-Neumann

 

Hat ein Betroffener nach vielen Konsultationen endlich die eindeutige Diagnose ACHALASIE erhalten, ist es mit der Unsicherheit noch nicht vorbei: Jetzt gilt es, ein therapeutisches Verfahren

auszuwählen, das die lästigen Symptome reduziert ohne den Patienten beim Eingriff zu sehr zu belasten.

Die derzeitig verfügbaren Alternativen :

• die medikamentöse Therapie (z. B. Injektion von Botox in die Kardia)

• die pneumatische Dilatation

• die laproskopische Heller Myotomie mit Anti-Reflux-Manschette

• die endoskopische Myotomie (POEM)

• die Stenteinlage (Gefäßstütze)

Sowohl die laproskopische Myotomie als auch POEM sind den Operationen zuzurechnen.  Die Injektion von Botox und die pneumatische Dilatation sind nicht-operative Verfahren. Eine Stenteinlage zur Erweiterung des Magenpförtners wird erst an wenigen Zentren durchgeführt. Erfolge dieser Methode können deshalb noch nicht referiert werden.

 

Wie sieht es mit der Wirksamkeit der anderen Methoden aus?

Eine Behandlung mit Botox bringt nur wenigen Probanden eine dauerhafte Verbesserung und wird

deshalb nur dann angewandt, wenn es aus medizinischer Sicht bei einem Patienten Vorbehalte gegen die anderen Behandlungsmethoden gibt – oder kurzfristig als „Brückentherapie“ oder zu diagnostischen Zwecken.

POEM ist noch eine relativ junge Behandlungsmethode; bisher vorliegende Studien sehen aber übereinstimmend recht gute Ergebnisse, die sich durchaus mit der laproskopischen Heller-Myotomie (LHM) messen können (Chan et al. 2016).

 

Bleibt noch der Vergleich zwischen der LHM und der pneumatischen Dilatation (PD):

Über einige Jahre sah es so aus, als sei dieser Vergleich zugunsten der LHM entschieden. Zwei Meta-Analysen aus den Jahren 2009 (Campos et al.) und 2013 (Schoenberg et al.) kürten die LHM als „Methode der Wahl“. Nun haben Meta-Studien so ihre Tücken, vor allem, wenn es um eine so seltene Erkrankung wie Achalasie geht: Viele Studien entsprechen nicht dem höchsten Forschungsstandard, werden

z. B. mit einer geringen Anzahl an Probanden durchgeführt und nur wenige Studien sind in ihrer Methodik direkt vergleichbar.

Dies betrifft die Randomisierung und die Verblindung, aber auch ganz konkret die Modalitäten der durchgeführten Therapien: bei der PD die Anzahl der Dehnungen und die Durchmesser des Ballonkatheters, bei der LHM die Länge der Schnitte in die Muskulatur der Speiseröhre und des Mageneingangs und die Frage, ob und wenn ja, welche Anti-Reflux-Manschette modelliert wurde.

Behandlungsmethoden

 

Laproskopische Heller Myotomie (LHM)

Die äußere längs verlaufende und die innere zirkuläre Muskelschicht der Speiseröhre werden getrennt zwar über mindestens 6 cm im Bereich der Speiseröhre und über mindestens 1 -1,5 cm im Bereich des Mageneingangs. Anschließend wurde eine Anti-Reflux-Manschette nach Dor angefügt.

Pneumatische Dilatation

Bei der PD wird ein aufblasbarer Ballonkatheter im Bereich des verengten Mageneingangspförtners platziert und aufgepumpt, wodurch Muskelfasern zerreißen. In der vorliegenden Studie fanden mindestens zwei Dilatationen im Abstand von 1-3 Wochen statt. Bei der ersten Dilatation wurde der Ballonkatheter auf einen Durchmesser von 30 mm aufgepumpt, bei der zweiten auf 35 mm. Der auf den Magenpförtner ausgeübte Druck betrug für eine Minute 5 PSI, für eine weitere Minute 8 PSI. Lag der Eckardt Score vier Wochen später noch über 3, wurde eine dritte Dilatation mit einem Ballonkatheter mit einem Durchmesser von 40 mm durchgeführt.

Wenn nach den ersten beiden oder der dritten Dilatation eine deutliche Besserung eintrat (Eckardt-Score unter 3), es in der Folgezeit aber wieder Schluckprobleme gab, konnten eine zweite und eine dritte Serie von Dilatationen durchgeführt werden, die dritte Serie allerdings erst mindestens zwei Jahre nach der ersten Dilatation. Als nicht erfolgreich galt die Behandlung bei Patienten, bei denen der Eckardt-Score die ersten drei Dilatationen immer noch über 3 lag und bei Patienten, bei denen zunächst eine deutliche Besserung eintrat, die aber eine dritte Behandlungsserie schon innerhalb von 2 Jahren nach der ersten Dilatation benötigten.

Man sieht: Im Gegensatz zur LHM, die immer nur einen OP-Termin umfasst, gab es bei der PD in der vorliegenden Studie maximal

3 Behandlungsserien mit jeweils 2-3 einzelnen Dilatationen!

Unterschiede in der Bewertung des Erfolgs der PD in verschiedenen Studien und Meta-Analysen können also durchaus mit der Anzahl der Dilatationen zusammenhängen, die man beim Vergleich mit der LHM „zulässt“.

Vergleich zwischen Heller Myotomie und Dilatation bei Achalasie:

  • Heller Myotomie (LHM):

    • Operativer Eingriff

    • Trennung der Muskelschichten der Speiseröhre und des Mageneingangs

    • Anti-Reflux-Manschette kann hinzugefügt werden

  • Dilatation (PD):

    • Nicht-operatives Verfahren

    • Platzierung und Aufblasen eines Ballonkatheters am Mageneingang

    • Möglicherweise mehrere Sitzungen nötig

  • Wirksamkeit:

    • Botox-Injektionen: Wenig dauerhafte Verbesserung

    • POEM: Neue Methode mit vielversprechenden Ergebnissen

    • Stenteinlage: Wenige Daten zur Wirksamkeit vorhanden

  • Studienvergleich:

    • Frühere Meta-Analysen bevorzugten LHM, aber aufgrund unterschiedlicher Studienmethoden und -ergebnisse ist dies umstritten

    • Das European Achalasia Trial verglich LHM und PD in einer großen, koordinierten Studie

  • Ergebnisse:

    • Beide Methoden haben ähnliche Erfolgsraten nach 1, 2 und 5 Jahren

    • LHM zeigt leichte Vorteile, besonders bei jüngeren Patienten und bestimmten Achalasie-Typen

    • PD kann bei älteren Patienten effektiver sein und ist kostengünstiger als LHM

  • Komplikationen:

    • PD kann zu Perforationen führen, insbesondere bei älteren Patienten

    • LHM kann Schleimhautverletzungen verursachen, aber diese können leichter während der OP behandelt werden

  • Schlussfolgerung:

    • PD ist eine effiziente Alternative zu LHM, besonders bei älteren Patienten

    • Die Wahl der Methode hängt von individuellen Faktoren ab, einschließlich des Alters, des Achalasie-Typs und der Klinikexpertise

    • Weitere Studien sind notwendig, um die Wirksamkeit und Sicherheit beider Methoden weiter zu untersuchen und zu vergleichen.FormularbeginnFormularende

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